FUNino in Buxtehude

FUNino, ein neues Fußballwort bricht sich die Bahn in Deutschland. Grund genug, einmal als langjähriger FUNino-Koordinator des JFV Buxtehude (vorher beim Stammverein TSV Eintracht Immenbeck) die Erfahrungen und dem Umgang im Buxtehuder Vorort mit diesem Thema zu beschreiben.

2010 – Spanien wird Weltmeister. Man mag sich fragen, was das mit der Überschrift zu tun hat. Um das Thema FUNino aber richtig zu verstehen, muss man von heute gut 10 Jahre zurück gehen. Man sah in Südafrika eine spanische Mannschaft ihren TikiTaka spielen und die Welt fragte sich, was die besser machen, als der Rest der Welt. Der Schlüssel lag in der Ausbildung der Spieler. Das Zauberwort heißt: Spielintelligenz.

Während der Rest weiterhin darauf achtete, die Technik zu schulen, war man in Spanien auf dem Weg, Spieler auszubilden, die instinktiv auf dem Feld richtige Entscheidungen treffen, wobei die fußballerisch technischen Fähigkeiten ebenso herausragend waren.

Bereits 2009 brachte der „Vater“ des FUNino, Horst Wein, das Buch „Spielintelligenz im Fußball kindgemäß trainieren“ als Übersetzung offizieller Texte des Spanischen Fußballverbandes auf den Markt. Darin wird ein mehrstufiges Ausbildungsmodell, das auf FUNino basiert beschrieben. Wer Horst Wein kennenlernen durfte, der wird wissen, dass er sich nicht als Erfinder des FUNino, sondern eher als Gestalter sah, der aus vielen Sportarten, u.a. Hockey, das Sinnvolle aufnahm und es als Ganzes neu zusammen fügte.

In Deutschland war es nicht der große DFB sondern Vereine wie die TSG Hoffenheim und der FC St. Pauli, die diesen Ausbildungsweg bereits 2012 in ihren Nachwuchsleistungszenten implementierten, lange bevor der DFB sich mit dem Thema befasste.

Mein erster Berührungspunkt mit FUNino war die Eröffnung des Kunstrasens in Immenbeck, auf der die Mannschaften des TSV jeweils gegen ein Team des FC St. Pauli antreten sollten. Meine damalige U9 sollte an dem Tag gegen die braunweiße U9 spielen. Allerdings hieß es: kein 7 gegen 7, wir spielen als FC nur noch FUNino. Der Tag brachte den Jungs die erste Erfahrung im 3 gegen 3 und mir sehr intensive Gespräche mit dem Paulitrainer Bilal Afrane. Seine Erklärungen, warum sie nur noch auf FUNino setzen, waren absolut schlüssig und überzeugend. Ab dann war klar, dass diese Ausbildungsweise auch im TSV Einzug halten muss.

Die nächsten Schritte bestanden darin, FUNino im Training einzubinden und den Spielern, neben dem normalen Spielbetrieb immer wieder Spielmöglichkeiten im FUNino zu bieten. Die Spieltage des FC St. Pauli boten hierzu gute Möglichkeiten. Unser persönliches Highlight der Saison war allerdings der FUNinoFairplayCup, den wir zum Saisonabschluss 2013 (und auch in den folgenden Jahren) spielten. Hierzu luden wir die drei befreundeten Teams aus Elstorf, Ahlerstedt und Estebrügge ein. Die Spieler kamen in ihren Lieblingstrikots und wurden dann bunt durcheinander gemischt. Die vier neuen Teams spielten dann ein FUNinoturnier ohne Erfolgsdruck.

In der folgenden Zeit fand FUNino im Training immer mehr statt, auch wenn es Eltern gab, die danach fragten, wann denn wieder richtiger Fußball trainiert wird. Nicht alles, was sinnvoll ist, findet sofort bei Außenstehenden mit eingefahrenen Spuren anklangt. Damit muss man leben, wenn man etwas verändern möchte. Die weitere Zeit brachte mir einen regen Austausch mit Kooperationsvereinen und mehrfach die Möglichkeit Horst Wein live zu erleben und mich mit ihm auch persönlich auszutauschen.

Weder im NFV noch im HFV war FUNino zu dieser Zeit ein Thema. Anfang 2014 konnte ich FUNino im Rahmen der Trainerausbildung, als Vertretung für den erkrankten Dozenten, den teilnehmenden Kollegen etwas näher bringen. Die Trainer standen dem sehr aufgeschlossen gegenüber und haben das teilweise in der Folge mit in Ihre Vereine getragen. Ein Vorschlag an die Stützpunktausbildung in Stade, FUNino als Fortbildung aufzunehmen, war in dem Jahr leider nicht von Erfolg gekrönt.

Als wir dann im TSV im Jahr 2014 die Alterklassenkoordinatoren einführten, um damit die Ausbildung der Kinder im TSV auf eine neue Basis zu stellen, war klar, dass FUNino im Bereich Bambini bis einschließlich E-Junioren eine entsprechende Stellung einnehmen würde. Dieses wurde auch dadurch unterstrichen, dass FUNino 2015 einen Platz in der Ausbildungskonzeption des TSV fand und damit fester Bestandteil in der Trainingsarbeit wurde. Die Jugendabteilung nahm in diesem Zusammenhang das nötige Kapital n die Hand, um dem Bestand an Minitoren auf 26 aufzustocken. Die FUNinoausbildung sollte nicht am Material scheitern.

Das Jahr 2015 brachte dann auch den wirklich ersten FUNinoCup in Buxtehude. Zehn Teams, u.a. auch der SV Ottensen, VFL 93 Schenefeld, TSV Apensen, trafen sich, um eines der schönsten Turnier zu erleben. Bei reichlich Sonne und vielen Toren (über 900) wurde entspannt 3 gegen 3 gespielt. Den ausführlichen Bericht zum Turnier gibt es auf der Homepage des TSV Eintracht Immenbeck in der Vereinsnachricht 2/2015.

Ende 2015 kam es zur Kooperation des TSV mit dem HSV, der inzwischen auch FUNino für sich entdeckt hatte. Über diese Kooperation konnte die Ausbildung der Trainer weiter intensiviert werden. Kinder aus dem Landkreis Stade kamen auf der Anlage in Immenbeck im Rahmen des Perspektivtrainings mit FUNino in Kontakt.

Seit 2016 besteht mit der OGS der Grundschule am Rotkäppchenweg eine Kooperation für eine AG. In den Gesprächen mit Tanja Schmüser wurde schnell klar, dass FUNino eine tolle Möglichkeit ist, um Kindern, die nicht unbedingt im Vereinsleben präsent sind, den Spaß am Fußball zu vermitteln. Die AG besteht in Kooperation mit dem JFV fort.

Als 2018 der JFV Buxtehude das Fußballparkett betrat, war klar, dass das Thema FUNino weiter folgt wird. Mit den Altersklassenkoordinatoren Bernd Kackmann (G-Junioren), Ingo Mehrkens und Jörg Mürmann (beide F-Junioren), Julian Garcia Mehrens (E-Junioren) und Markus Sack (Koordinator FUNino) ist der JFV bestens aufgestellt, um seinen Trainern den nötigen Input zu geben, was der Ausbildung der Kinder zu Gute kommt.

Liest man heute Berichte darüber, dass der DFB nun flächendeckend FUNino einführen möchte, so ist immer vom Spiel 3 gegen 3 die Rede. FUNnino ist aber sehr viel mehr als eine reine Spielvariante.

FUNino ist vielmehr eine Philosophie.

Schaut man sich heute das Spiel im Kinderfußball an, so ähneln sich die Spiele. Meistens gibt es bei den 7 Spielern 1-2, die groß, kräftig und mit einem ordentlichen „Huf“ versehen sind. Diese Spieler haben meistens den Ball und „gewinnen“ die Spiele und Titel für Trainer, die versuchen, nach ihrer Karriere doch noch etwas „Erfolg“ zu haben. Die Kreismeistertafel ist dann Beweis für tolle Ausbildung. Die übrigens Spieler sind meist nur Beiwerk, da man ja nicht nur mit 2 Kindern spielen kann. Die  „schlechten“ stellt man in die Abwehr, ins Tor oder neben das Feld.

Genau hier greift die Philosophie des FUNino. Je mehr Ballkontakte ein Kind hat, desto besser wird es ausgebildet. Kinder sollten zudem, frei von Zwängen, überall spielen und Tore schießen. Nichts ist besser, als das Erfolgserlebnis – das Tor. Also weniger Spieler in Feld und keinen ins Tor. FUNino bietet hierbei immer wieder neue Situationen aus denen gelernt werden kann, um in der wiederholten Situation eine vielleicht bessere Entscheidung zu fällen. Erfahrungen machen und sie sofort in der Spielsituation umsetzen – das ist Funino. Training im FUNino heißt auch nicht Instruktion, sondern Spielverständnis und Ideen der Kinder abzufordern und sie aktiv am Lernen zu beteiligen. Aussagen „Ihr müsst das so machen!“ wird durch „Folgende Situation … wie würdet Ihr das machen?“ ersetzt. Hinzu kommt, dass FUNino-Kinder im Training das geboten bekommen, was sie am liebsten tun – kicken in Spielformen.

Die Verantwortlichen des JFV und mich persönlich freut es natürlich, dass der DFB, die Landes- und Kreisverbände nun endlich aus ihrem langjährigen Dornröschenschlaf auf gewacht sind und die Ausbildung zu Wohle der Kinder verändern wollen. Wir begrüßen es sehr, dass andere Vereine endlich beginnen, sich damit zu befassen und dem Thema zu öffnen, was in unserem Reihen schon seit Jahren manifestiert ist.

Wenn ich aber lese, dass das Thema jetzt Einzug in Buxtehude hält, so kann ich dem nur erwidern:

Es hält nicht Einzug, sondern wird bereits seit mehr als 6 Jahren in Buxtehude angeboten!

Im JFV sind wir heute schon einen Schritt weiter. Neue Trainer werden klar in die Thematik eingebunden, aber es wird auch intensiv über die weitere Zukunft der Ausbildung diskutiert. Ein Thema hierbei: ist die Wettkampfsituation im Kinderfußball noch zeitgemäß oder sollte sich Deutschland eher an den Skandinaviern orientieren.

Um den Fußball weiter zu verbessern und kindgerechter zu machen, braucht es Querdenker wie Horst Wein, der fehlt. Entsprechend schließe ich mit den Worten aus dem Nachruf von Peter Schreiner: „Horst Wein war ein Fußballengel auf Erden und ich vermute, dass nun die Engel im Himmel FUNino spielen!“.

 

Markus Sack